Cal-Mag erklärt – Mangelbilder, Dosierung, Wechselwirkungen

Cal-Mag auf einen Blick: Calcium und Magnesium sind sekundäre Makronährstoffe, die für Zellwandbildung, Photosynthese und Enzymaktivität unverzichtbar sind. Mängel treten besonders bei weichem Wasser, Coco-Substrat, Hydroponik und unter starken LED-Lampen auf. Dieser Guide zeigt dir, wie du Mangelbilder zuverlässig erkennst, phasengerecht dosierst, Wechselwirkungen vermeidest und mit einem einfachen Wasserwerte-Rechner deinen tatsächlichen Bedarf berechnest.

Was ist Cal-Mag und warum ist es wichtig?

Cal-Mag ist die Kurzform für Calcium-Magnesium-Dünger – eine Zusatzlösung, die zwei essenzielle sekundäre Makronährstoffe in einem ausgewogenen Verhältnis liefert. Während die NPK-Hauptnährstoffe (Stickstoff, Phosphor, Kalium) in den meisten Standard-Düngern bereits enthalten sind, kommen Calcium und Magnesium oft zu kurz – besonders bei weichem Leitungswasser, Osmose-Wasser, Coco-Substraten und reiner Hydroponik.

Gerade bei Cannabis macht sich ein Cal-Mag-Mangel schnell bemerkbar: verkrüppeltes Neuwachstum, gelbe ältere Blätter, schwache Stängel und am Ende reduzierte Blütenqualität. Das Tückische daran: Viele dieser Symptome werden mit anderen Nährstoffmängeln verwechselt, was zu falschen Korrekturen und noch größeren Problemen führt.

Wichtig zu verstehen: Cal-Mag ist kein Allheilmittel. Wer prophylaktisch dosiert, ohne die eigenen Wasserwerte zu kennen, riskiert genauso viele Probleme wie jemand, der gar kein Cal-Mag einsetzt. Die richtige Menge hängt von Wasserhärte, Substrat, Lichtquelle und Wachstumsphase ab.

Funktionen von Calcium und Magnesium im Detail

Was Calcium in der Pflanze leistet

Calcium ist ein immobiler Nährstoff – das heißt: Einmal in ein Blatt eingelagert, kann die Pflanze es nicht mehr in andere Pflanzenteile verschieben. Deshalb zeigen sich Mangelerscheinungen immer zuerst im Neuwachstum. Im Detail erfüllt Calcium folgende Aufgaben:

  • Zellwandbildung: Calcium ist Hauptbaustein der Mittellamelle zwischen den Zellen. Stabile Zellwände bedeuten kräftige Stängel, robuste Triebe und Schutz vor pathogenen Pilzen wie Botrytis.
  • Wurzelentwicklung: Wachsende Wurzelspitzen brauchen kontinuierlich Calcium für die Zellteilung. Calciummangel führt zu kurzen, gestauchten Wurzeln.
  • Stresstoleranz: Calcium hilft der Pflanze, mit Hitze, Trockenheit und osmotischem Stress klarzukommen. Es ist außerdem an der Signalübertragung bei Schädlingsbefall beteiligt.
  • Nährstofftransport: Calcium fördert die Aufnahme von Stickstoff und Kalium durch die Wurzeln und reguliert deren Verteilung.

Was Magnesium in der Pflanze leistet

Magnesium ist im Gegensatz zu Calcium mobil – die Pflanze verlagert es bei Bedarf aus älteren Blättern in junge Triebe. Deshalb zeigen sich Magnesiummangel-Symptome zuerst an den unteren, älteren Blättern. Magnesium übernimmt diese Schlüsselrollen:

  • Chlorophyll-Zentrum: Im Zentrum jedes Chlorophyll-Moleküls sitzt ein Magnesium-Atom. Ohne Magnesium keine Photosynthese – so simpel ist die Gleichung.
  • Enzym-Aktivierung: Über 300 enzymatische Reaktionen in der Pflanze benötigen Magnesium als Cofaktor, darunter zentrale Schritte der Energiegewinnung.
  • ATP-Stabilisierung: Magnesium bindet an ATP – den Energieträger der Zelle – und ermöglicht damit Energietransfer und Phosphorylierung.
  • Kohlenhydrat-Synthese: Zucker- und Stärkeproduktion läuft ohne ausreichend Magnesium nur eingeschränkt ab.
Merkhilfe: Calcium gibt der Pflanze das Skelett, Magnesium betreibt das Solarkraftwerk. Beide Nährstoffe sind grundverschieden, arbeiten aber so eng zusammen, dass sie als Paar gehandelt werden.

Mangelbilder erkennen – Symptome und Differentialdiagnose

Cal-Mag-Mangel und andere Nährstoffprobleme sehen sich oft täuschend ähnlich. Die folgende Tabelle hilft dir, die typischen Symptome richtig zuzuordnen:

Element Wo zuerst sichtbar? Frühe Symptome Späte Symptome
Calcium Junges Blatt / Neuwachstum / Triebspitzen Verformte neue Blätter, kleine rostbraune Flecken auf jungen Blättern, krause Blattränder Absterbende Triebspitzen, brüchige Stängel, schwache Wurzeln, Blütenendfäule, anfällig für Botrytis
Magnesium Ältere, untere Blätter Aufhellung zwischen den Blattadern (Interveinalchlorose), Blattadern bleiben deutlich grün Stark gelbe Blätter mit grünem Adernetz, braune nekrotische Flecken, Blätter fallen ab

Differentialdiagnose: Calciummangel oder doch etwas anderes?

Bevor du zum Cal-Mag-Dünger greifst, solltest du andere Ursachen ausschließen. Folgende Probleme werden häufig mit Calcium- oder Magnesiummangel verwechselt:

Symptom Mögliche Ursache Wie unterscheiden?
Gelbe Blätter mit grünen Adern Mg-Mangel oder Eisenmangel (Fe) Mg betrifft alte Blätter, Fe betrifft junge Blätter
Braune Blattspitzen / Blattränder Ca-Mangel, Überdüngung (Nährstoffbrand) oder Hitzestress EC-Wert prüfen: zu hoch deutet auf Brand, zu niedrig auf Ca-Mangel
Verformtes Neuwachstum Ca-Mangel, Borax-Mangel oder Schädlingsbefall Lupe nutzen: Spinnmilben sichtbar? Triebspitze prüfen.
Allgemein blasse Pflanze Stickstoffmangel oder pH-Lockout pH-Wert messen, dann EC checken
Lokale rostbraune Punkte Ca-Mangel oder Kalium-Mangel Position prüfen: junge Blätter = Ca, alte Blätter = K
Wichtig vor jeder Korrektur: Miss immer zuerst den pH-Wert deines Gießwassers und – wenn möglich – des Substrats. Liegt der pH-Wert außerhalb des optimalen Bereichs, kann die Pflanze Calcium und Magnesium gar nicht aufnehmen, selbst wenn beide reichlich vorhanden sind. Das Phänomen heißt Nährstoff-Lockout und ist die häufigste Fehlerquelle bei vermeintlichem Cal-Mag-Mangel.

Die häufigsten Ursachen für Cal-Mag-Mangel

Wenn du verstehst, warum ein Mangel überhaupt auftritt, kannst du ihn gezielt verhindern statt nur Symptome zu bekämpfen. Diese Faktoren sind die Hauptverdächtigen:

1. Weiches Leitungswasser

Wasser unter 4 °dH (Grad deutscher Härte) enthält wenig Calcium und Magnesium. In Regionen mit weichem Wasser ist Cal-Mag-Supplementierung praktisch Pflicht – besonders bei Coco und Hydro.

2. Osmose- oder destilliertes Wasser

Reverse-Osmose-Anlagen entfernen nahezu alle Mineralien. Wer mit RO-Wasser gießt, muss alle Nährstoffe inklusive Cal-Mag von Grund auf zugeben.

3. Coco-Substrat

Kokosfasern haben eine hohe Kationenaustauschkapazität und binden Calcium und Magnesium aktiv an sich. Dadurch steht den Wurzeln weniger zur Verfügung – Cal-Mag ist im Coco fast immer notwendig.

4. Hydroponische Systeme

Im reinen Wassersystem gibt es keine Pufferung durch Substrat. Nährstoffschwankungen schlagen sofort durch, was Cal-Mag-Defizite besonders schnell sichtbar macht.

5. Starke LED-Beleuchtung

Moderne Vollspektrum-LEDs erhöhen die Photosynthese-Rate erheblich – und damit den Magnesiumbedarf. Unter intensivem LED-Licht ist Mg-Mangel weit häufiger als unter klassischen NDL-Lampen.

6. Falscher pH-Wert

In Erde liegt der optimale pH-Bereich bei 6,2 bis 6,8, in Coco/Hydro bei 5,8 bis 6,2. Außerhalb dieser Spanne werden Ca und Mg blockiert, auch wenn sie chemisch vorhanden sind.

7. Kalium-Überschuss

Zu viel Kalium (häufig durch übermäßigen Blütedünger) verdrängt Magnesium an der Wurzel. Das Verhältnis muss stimmen, nicht nur die Menge.

8. Zu saures Substrat

Bei pH-Werten unter 6,0 in Erde wird Calcium kaum noch aufgenommen. Dolomitkalk oder Aufkalken hilft mittelfristig.

Wasserwerte verstehen: dH, EC, ppm und mg/L

Bevor du dosieren kannst, musst du wissen, was schon im Wasser ist. Die meisten Wasserversorger veröffentlichen die Härtedaten online – einfach Postleitzahl plus „Wasserhärte“ googeln. Hier die wichtigsten Begriffe und ihre Umrechnung:

Einheit Was sie misst Umrechnung / Praxiswert
°dH Gesamthärte (Ca + Mg) in deutscher Härte 1 °dH ≈ 7,14 mg/L Calcium oder 4,3 mg/L Magnesium
EC (mS/cm) Elektrische Leitfähigkeit – Indikator für Gesamtsalzgehalt Reines Gießwasser idealerweise unter 0,4 mS/cm
ppm Parts per million (Teile pro Million) 1 ppm ≈ 1 mg/L; EC × 500 oder × 700 (je nach Skala)
mg/L Massenkonzentration einzelner Elemente Direkt vom Wasserwerk ablesbar

Wasserhärte einordnen

Härtebereich °dH Cal-Mag-Empfehlung
Sehr weich 0 – 4 Cal-Mag bei jeder Bewässerung notwendig
Weich 4 – 8 Cal-Mag in Coco/Hydro empfohlen, in Erde optional
Mittel 8 – 14 Meist ausreichend, nur bei Mangelsymptomen ergänzen
Hart 14 – 21 Selten Cal-Mag nötig, eher pH-Senkung beachten
Sehr hart über 21 Kein Cal-Mag, ggf. mit Osmose-Wasser verschneiden

Dosierung nach Wachstumsphase und Substrat

Der Cal-Mag-Bedarf einer Cannabispflanze ist nicht konstant – er steigt mit dem Wachstum und erreicht in den ersten Blütewochen seinen Höhepunkt. Diese Werte bilden die Aufnahmemenge ab, die im Wurzelraum ankommen sollte:

Wachstumsphase Calcium-Zielwert Magnesium-Zielwert Verhältnis Ca:Mg
Keimung / Sämling 40 – 60 mg/L 15 – 25 mg/L 3:1
Vegetative Phase 80 – 100 mg/L 30 – 50 mg/L 3:1 bis 2:1
Frühe Blüte (Stretch) 100 – 120 mg/L 40 – 60 mg/L 2:1 bis 3:1
Mittlere Blüte 100 – 120 mg/L 50 – 60 mg/L 2:1
Späte Blüte / Reife 80 – 100 mg/L 40 – 50 mg/L 2:1
Spülphase (Flush) 0 – minimal 0 – minimal

Praxisdosierung handelsüblicher Cal-Mag-Produkte

Die meisten am Markt erhältlichen Cal-Mag-Lösungen sind so konzentriert, dass folgende Faustregeln gelten – die exakte Dosierung steht aber immer auf dem Etikett des Herstellers:

Erde

Erdkultur

Nur bei sichtbarem Mangel oder sehr weichem Wasser zugeben. Vorbeugend reicht 1 bis 2 Mal pro Woche.

  • Vorbeugend: 0,5 ml/L
  • Bei Mangel: 1 – 2 ml/L
  • Akut: 2 – 3 ml/L kurzfristig
Coco

Coco-Kultur

Coco bindet Ca und Mg aktiv. Konstante Versorgung bei jeder Bewässerung ist Standard.

  • Standard: 0,5 – 1 ml/L
  • Mit RO-Wasser: 1 – 1,5 ml/L
  • Bei Mg-Mangel: bis 2 ml/L
Hydro

Hydroponik

Cal-Mag gehört in jeden Reservoir-Mix. EC und pH müssen permanent überwacht werden.

  • Tank-Standard: 0,5 – 1 ml/L
  • Reines RO-Wasser: 1 – 2 ml/L
  • Bei DWC: kontinuierlich
Achtung Überdosierung: Mehr ist nicht besser. Zu viel Cal-Mag erhöht den EC-Wert, treibt den pH-Wert nach oben und kann die Aufnahme anderer Nährstoffe blockieren. Erste Symptome einer Überdosierung sind dunkelgrüne Blätter mit verbrannten Spitzen und ein steigender pH im Substrat. Wer unsicher ist, beginnt immer mit der niedrigsten Dosis und steigert nur bei klaren Mangelsymptomen.

Cal-Mag selbst berechnen – Schritt für Schritt

Statt blind nach Hersteller-Empfehlung zu dosieren, kannst du den exakten Bedarf in vier Schritten ausrechnen. Beispielrechnung für die Blütephase:

Schritt 1

Wasserwerte ermitteln

Auf der Webseite deines Wasserversorgers findest du die exakten Werte. Beispielwerte:

  • Calcium im Leitungswasser: 45 mg/L
  • Magnesium im Leitungswasser: 13 mg/L
Schritt 2

Zielwerte festlegen

Aus der Phasen-Tabelle für mittlere Blüte:

  • Calcium-Ziel: 100 mg/L
  • Magnesium-Ziel: 50 mg/L
Schritt 3

Differenz berechnen

Was im Wasser fehlt:

  • Calcium: 100 − 45 = 55 mg/L fehlen
  • Magnesium: 50 − 13 = 37 mg/L fehlen
Schritt 4

Cal-Mag-Menge bestimmen

Etikett des Cal-Mag-Produkts prüfen: Wie viel Ca und Mg sind pro Milliliter enthalten? Differenz durch Konzentration teilen ergibt die Dosierung pro Liter Gießwasser.

Praxistipp: Ein günstiges EC- und pH-Messgerät (zusammen oft unter 30 Euro) ist die beste Investition für jeden Grower. Damit kannst du nach dem Mischen sofort kontrollieren, ob der EC-Wert im Zielbereich liegt – ein deutlich präziseres Verfahren als reines Augenmaß.

Anwendung: Wurzel- vs. Blattdüngung

Wurzeldüngung (Standardweg)

Die klassische Methode: Cal-Mag wird ins Gießwasser gemischt und über die Wurzeln aufgenommen. Wichtig dabei:

  • Reihenfolge: Cal-Mag immer als erstes ins Wasser, danach erst die anderen Nährstoffe. Das verhindert chemische Reaktionen mit Phosphaten oder Sulfaten.
  • Gut umrühren: Mindestens 30 Sekunden mischen, bevor andere Komponenten dazukommen.
  • pH zuletzt: Erst alle Nährstoffe einrühren, dann pH-Wert messen und justieren – nicht umgekehrt.
  • EC kontrollieren: Nach dem Mischen sollte der Gesamt-EC zur Wachstumsphase passen (Veg ca. 1,2 – 1,6, Blüte ca. 1,6 – 2,2 mS/cm).

Blattdüngung (foliar feeding)

Bei akuten Mängeln wirkt Blattdüngung deutlich schneller als die Wurzelaufnahme – oft sind erste Verbesserungen schon nach 24 bis 48 Stunden sichtbar. Anleitung:

  1. Cal-Mag mit destilliertem Wasser oder weichem Wasser mischen, etwa 2 bis 3 ml pro Liter.
  2. pH der Lösung auf 6,0 bis 6,2 einstellen.
  3. Mit feinem Sprüher die Blattunterseiten benetzen – dort sitzen die Spaltöffnungen.
  4. Niemals bei direkter Sonneneinstrahlung sprühen (Verbrennungsgefahr durch Linseneffekt).
  5. Idealerweise früh morgens oder abends bei ausgeschalteter Beleuchtung.
  6. In der Blütephase nach Woche 4 keine Blattdüngung mehr – Risiko für Schimmel an den Blüten.
Niemals in der Blüte sprühen: Ab der dritten oder vierten Blütewoche darfst du nichts mehr direkt auf die Blüten sprühen. Feuchtigkeit zwischen den dichten Blütenständen ist der Hauptauslöser für Botrytis (Grauschimmel) – und ein einziger befallener Bud kann ganze Pflanzen kosten.

Nährstoff-Wechselwirkungen und pH-Lockout

Calcium und Magnesium stehen in einem komplexen Geflecht aus antagonistischen und synergistischen Beziehungen mit anderen Nährstoffen. Wer das Zusammenspiel versteht, vermeidet die häufigsten Folgeprobleme.

Wechselwirkung Folge Lösung
Zu viel Kalium (K) ↔ Magnesium K verdrängt Mg an den Wurzelaufnahmestellen → Mg-Mangel trotz ausreichender Versorgung Bloom-Dünger reduzieren oder Mg gezielt ergänzen
Zu viel Calcium ↔ Magnesium / Kalium Beide werden blockiert, Pflanze zeigt Mischsymptome Verhältnis Ca:Mg auf 2:1 bis 3:1 einhalten
Hoher Natrium-Gehalt (Na) Konkurriert mit Ca an der Wurzel, häufig bei Brunnenwasser Wasseranalyse, ggf. mit Osmose-Wasser verschneiden
pH zu niedrig (unter 5,5) Ca und Mg werden chemisch unverfügbar (Lockout) pH-Up zugeben, Substrat ggf. spülen
pH zu hoch (über 7,0 in Hydro) Eisen, Mangan, Zink fallen aus – sekundäre Mängel pH-Down einsetzen, regelmäßig kontrollieren
Phosphor-Überschuss Bildet unlösliche Calcium-Phosphate, Ca wird festgelegt Bloom-Booster nicht überdosieren

pH-Lockout im Detail

Calcium und Magnesium werden in unterschiedlichen pH-Bereichen optimal aufgenommen. Diese Übersicht zeigt dir die idealen Zonen:

Substrat pH für Ca optimal pH für Mg optimal Empfohlene Spanne
Erde 6,2 – 7,0 6,5 – 7,0 6,2 – 6,8
Coco 5,8 – 6,3 6,0 – 6,3 5,8 – 6,2
Hydroponik 5,8 – 6,2 5,8 – 6,3 5,8 – 6,2

Cal-Mag selbst herstellen – die Calcinit-Bittersalz-Methode

Wer mehrfach im Jahr growt, kann sich Cal-Mag aus Grundkomponenten selbst zusammenmischen. Die beiden gängigsten Bausteine sind Calcinit (Calciumnitrat) und Bittersalz (Magnesiumsulfat-Heptahydrat). Das spart auf Dauer Geld und ist exakt dosierbar.

Wichtiger Hinweis vorab: Calciumnitrat und Magnesiumsulfat dürfen nicht in derselben konzentrierten Stammlösung gemischt werden. Es kommt zu chemischen Reaktionen, die Calciumsulfat (Gips) ausfallen lassen. Die beiden Komponenten werden daher getrennt aufbewahrt und erst im fertigen Gießwasser zusammengeführt.

Was du brauchst

  • Calcinit (Calciumnitrat-Tetrahydrat, ca. 19 % Ca, 15,5 % N – Gartenfachhandel)
  • Bittersalz (Magnesiumsulfat-Heptahydrat, ca. 9,8 % Mg – Apotheke oder Gartenhandel)
  • Zwei separate Behälter (Stammlösung A und B)
  • Feinwaage (0,1 g Auflösung)
  • Destilliertes oder Osmose-Wasser

Stammlösungen ansetzen

Diese Konzentration ist ein praktischer Richtwert – stärkere Lösungen neigen zur Auskristallisation:

  • Stammlösung A (Calcium): 100 g Calcinit auf 1 Liter destilliertes Wasser → 1 ml liefert ca. 19 mg Calcium
  • Stammlösung B (Magnesium): 100 g Bittersalz auf 1 Liter destilliertes Wasser → 1 ml liefert ca. 9,8 mg Magnesium

Anwendung

  1. Beide Lösungen kühl, dunkel und beschriftet lagern (Haltbarkeit mehrere Monate).
  2. Erst Stammlösung A ins Gießwasser geben, gut umrühren.
  3. Dann Stammlösung B zugeben und erneut rühren.
  4. EC-Wert kontrollieren, dann andere Nährstoffe ergänzen.
  5. pH zuletzt einstellen.
Stickstoff-Effekt beachten: Calcinit liefert neben Calcium auch Stickstoff (15,5 %). In der Blütephase, wenn N reduziert werden soll, ist das ein Argument gegen Calcinit. Alternative: Calciumchlorid (CaCl₂) – allerdings bringt es Chlorid mit, was bei sensiblen Sorten zu Blattverbrennungen führen kann.

Die 7 häufigsten Fehler beim Cal-Mag-Einsatz

1. Cal-Mag bei hartem Wasser geben

Wer auf hartem Leitungswasser pauschal Cal-Mag draufpackt, riskiert Überdüngung und pH-Anstieg. Erst Wasserwerte prüfen, dann entscheiden.

2. Symptome ohne pH-Check „behandeln“

Über die Hälfte aller vermeintlichen Cal-Mag-Mängel sind in Wahrheit pH-Lockouts. Immer erst pH messen.

3. Reihenfolge im Mischtank ignorieren

Cal-Mag gehört zuerst ins Wasser. Werden Phosphate oder Sulfate vorher zugegeben, fallen unlösliche Salze aus.

4. Durchgehend hochdosieren

Der Mg-Bedarf steigt zwar in der Blüte, aber permanente Maximaldosen führen zu EC-Stress und Salzansammlung.

5. Blattdüngung in die späte Blüte

Sprühen ab Woche 4 der Blüte erhöht das Botrytis-Risiko massiv. Spätestens dann ausschließlich über die Wurzel düngen.

6. Cal-Mag mit Bio-Düngern mischen

Manche organische Dünger sind mit Cal-Mag-Zusätzen unverträglich. Immer einzeln testen oder Bio-Linien ohne Zusatz nutzen.

7. Falsche Wasserquelle nutzen

Brunnenwasser kann hohe Natriumwerte enthalten, die Calcium aktiv blockieren. Eine Wasseranalyse vor dem ersten Grow lohnt sich.

8. EC nicht überwachen

Ein EC-Meter kostet wenig und verhindert die meisten Düngeprobleme. Wer ohne EC misst, fliegt blind.

Troubleshooting: akuten Mangel beheben

Wenn deine Pflanze deutliche Mangelsymptome zeigt, hilft dieses bewährte Vorgehen schrittweise weiter:

Schritt 1

Diagnose absichern

Befindet sich der Schaden an jungen oder alten Blättern? Junges Blatt = Calcium, altes Blatt = Magnesium. Foto machen, gut beleuchtet, beide Blattseiten.

Schritt 2

pH und EC messen

Ablaufwasser (Run-off) auffangen und beides prüfen. Bei pH unter 5,8 oder über 6,8 (in Erde) ist die Korrektur des pH-Werts wichtiger als jede Düngezugabe.

Schritt 3

Substrat spülen (bei Lockout)

Mit pH-korrigiertem Wasser (1,5- bis 2-faches Topfvolumen) spülen, um Salzansammlungen zu lösen. EC im Ablauf kontrollieren.

Schritt 4

Cal-Mag gezielt zuführen

Nach dem Spülen mit moderater Cal-Mag-Dosis (1 – 1,5 ml/L) bei korrektem pH-Wert wieder einschleichen.

Schritt 5

Blattdüngung als Booster

Sofern noch in der vegetativen Phase oder maximal in den ersten Blütewochen: Sprühlösung mit 2 ml/L Cal-Mag, abends, auf die Blattunterseiten.

Schritt 6

5 Tage abwarten

Beschädigte Blätter erholen sich nicht – das Neuwachstum aber sehr wohl. Wenn neue Blätter gesund nachwachsen, war die Korrektur erfolgreich.

Wenn nichts hilft: Bei anhaltenden Symptomen trotz korrektem pH und ausreichender Cal-Mag-Versorgung kann ein Wurzelproblem (Wurzelfäule, Pythium, Spinnmilbenbefall an den Wurzelhälsen) die Ursache sein. Pflanze vorsichtig austopfen, Wurzeln auf braune Verfärbung oder fauligen Geruch prüfen. Gesunde Wurzeln sind weiß und ohne Geruch.

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FAQ – die wichtigsten Fragen kurz beantwortet

Brauche ich Cal-Mag bei jedem Grow?

Nein. Bei mittelhartem Leitungswasser (8 – 14 °dH) und Erdkultur deckt das Wasser meist den Bedarf. Pflicht wird Cal-Mag dagegen bei weichem Wasser, Osmose-Wasser, Coco-Substrat und Hydroponik.

Wie erkenne ich, ob mein Wasser hart oder weich ist?

Auf der Webseite deines örtlichen Wasserversorgers findest du die genauen Werte – meist als °dH oder mg/L Calcium. Alternativ liefern Wasserteststreifen aus dem Aquaristik- oder Gartenfachhandel eine schnelle Orientierung.

Kann ich Cal-Mag zusammen mit anderen Düngern mischen?

Ja, aber nur in der richtigen Reihenfolge. Cal-Mag immer als Erstes ins Wasser, dann gut umrühren, danach erst Phosphat- und Schwefel-haltige Dünger. Niemals konzentriertes Calciumnitrat direkt mit Bittersalz oder Phosphat-Stammlösungen mischen – das fällt aus.

Mein Wasser ist hart – brauche ich trotzdem Magnesium?

Hartes Wasser enthält oft viel Calcium, aber relativ wenig Magnesium. Wenn du Mg-Mangelsymptome an älteren Blättern siehst, kann gezieltes Bittersalz (Magnesiumsulfat) die Lösung sein – ohne weiteres Calcium zuzuführen.

Wann tritt Cal-Mag-Mangel am häufigsten auf?

In den ersten drei bis vier Wochen der Blüte – wenn die Pflanze stretcht und der Nährstoffbedarf rapide steigt. Auch unter starken LED-Lampen mit hohem PAR-Wert ist die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht.

Kann ich zu viel Cal-Mag geben?

Ja. Eine Überdosierung erhöht den EC-Wert, kann den pH nach oben treiben und blockiert die Aufnahme von Kalium und anderen Nährstoffen. Erste Anzeichen sind sehr dunkelgrüne Blätter mit braunen Spitzen.

Hilft Dolomitkalk als Cal-Mag-Ersatz?

Bei Erdkultur ja – Dolomitkalk liefert Calcium und Magnesium gleichzeitig und puffert zusätzlich den pH-Wert. Die Wirkung setzt allerdings erst nach 1 bis 2 Wochen ein. Für Coco und Hydro ist Dolomitkalk nicht geeignet.

Welcher pH-Wert ist optimal für die Cal-Mag-Aufnahme?

In Erde 6,2 bis 6,8 (Calcium nimmt die Pflanze besonders gut bei 6,5 auf, Magnesium bei 6,5 bis 7,0). In Coco und Hydroponik 5,8 bis 6,2. Außerhalb dieser Spanne kann die Pflanze beide Nährstoffe nicht effizient aufnehmen.

Wie verhält sich das Verhältnis Ca:Mg ideal?

Das ideale Verhältnis liegt zwischen 3:1 und 2:1 (Calcium zu Magnesium). Unter starken LEDs und in der Blütephase nähert sich der Bedarf eher 2:1, weil der Mg-Verbrauch durch erhöhte Photosynthese steigt.

Brauche ich Cal-Mag auch in der Spülphase?

Nein. In den letzten 7 bis 14 Tagen vor der Ernte werden alle Düngergaben reduziert oder ganz weggelassen, damit die Pflanze gespeicherte Nährstoffe abbaut. Cal-Mag gehört in dieser Phase nicht ins Gießwasser.

Tritt Cal-Mag-Mangel bei Autoflowern häufiger auf?

Nicht grundsätzlich, aber Autoflower-Sorten haben einen kompakteren Lebenszyklus, in dem Mängel weniger Zeit haben, sich zu erholen. Eine konstante, moderate Cal-Mag-Versorgung ab der zweiten Lebenswoche zahlt sich gerade bei Auto-Strains aus.

Sind Cal-Mag-Produkte für Tomaten auch für Cannabis geeignet?

Grundsätzlich ja, denn die chemische Zusammensetzung ist vergleichbar. Allerdings sind viele Garten-Cal-Mag-Produkte für die Erdkultur ausgelegt und enthalten zusätzlich Spurenelemente, die bei Hydro nicht ideal sind. Cannabis-spezifische Produkte sind oft sauberer formuliert.

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Fazit: Cal-Mag richtig einsetzen lohnt sich

Calcium und Magnesium sind unscheinbare Nährstoffe mit enormer Hebelwirkung. Wer die eigenen Wasserwerte kennt, das richtige Substrat-Profil versteht und phasengerecht dosiert, vermeidet die meisten typischen Cannabis-Probleme. Die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst:

  • Cal-Mag-Bedarf hängt von Wasserhärte, Substrat, Lichtquelle und Wachstumsphase ab – pauschale Dosierungen führen oft zu Überdüngung.
  • Calcium-Mangel zeigt sich am Neuwachstum, Magnesium-Mangel an älteren Blättern – die Position des Schadens ist die wichtigste Diagnosehilfe.
  • pH-Wert vor jeder Korrektur prüfen: Mehr als die Hälfte aller vermeintlichen Cal-Mag-Mängel sind in Wahrheit pH-Lockouts.
  • Das Verhältnis Ca:Mg ist genauso wichtig wie die absoluten Mengen – Zielwerte liegen zwischen 2:1 und 3:1.
  • Bei akuten Mängeln liefert Blattdüngung schnelle Verbesserung, sofern die Blütephase nicht zu weit fortgeschritten ist.

Mit dem Wissen aus diesem Guide bist du gerüstet, Cal-Mag gezielt und sparsam einzusetzen – für gesündere Pflanzen, stabilere Erträge und weniger Frust im Grow.